Was für eine ‘Gaudi’ in Barcelona!

Meine erste Nacht in Katalonien verbrachte ich neben dem Sperrgepäck Schalter des internationalen Flughafens. Ich kam mitten in der Nacht an und mein Rad blieb vorerst verschwunden. So rollte ich meine Isomate aus und schlief erst einmal. Irgendwann am frühen Morgen hatte ich mein Radel dann wieder. Es wurde erst an das falsche ‘Gate’ geliefert. Aber es war ja dann da und ich hatte ein günstige Nacht mit fließendem Wasser und Internetzugang.
Wie ich denn am einfachsten mit dem Fahrrad nach Barcelona hinein kam? Fragte ich die Mädels in der Touristeninfo? keine Ahnung! so die ‘professionelle’ und ‘hilfreiche’ Antwort. Damit gurkte ich ein wenig am Flughafen herum und fand einen geräumigen Bus, welcher mich mit dem Fahrrad für 6 Euro direkt am ‘Placa de Catalunya’ in der Innenstadt absetzte. Super! Aber warum sagt einem das keiner?
Der erste Eindruck der ‘Gaudi’ Stadt war ernüchternd. Es tummelte nur so vor Touristen. Es war voll, richtig voll. Nach den beschaulichen Azoren ein Schock. Menschen überall, das war ich nicht mehr gewohnt.
Die Suche nach einer Unterkunft stellte sich als schwierig heraus. Im Zeitalter des Internets konnte man nicht mehr einfach bei einem Hostel vorfahren, belegt! Nein, ohne vorherige Buchung ging nichts. Das vollbepackte Fahrrad stellte sich ebenfalls als Hindernis heraus. Bei einem schon gebuchten Zimmer konnte ich meine ‘S(h)urly’ nicht mitnehmen, kein Platz! Das ist mir auf der ganzen Reise noch nicht passiert. So wurde ich wurde sprichwörtlich vor die Tür gesetzt und konnte weitersuchen! Willkommen in Europa! Bisher gab es immer eine Lösung! Hier kam es einem vor, als hätte man manchmal einfach keinen ‘Bock’ sich um etwas zu kümmern. Am Ende fand ich dann sichtlich genervt eine vernünftige Herberge. Geht doch!
Für mich gab es einiges zu organisieren. Ein paar Dinge der Ausrüstung mußten für den Rest der Tour ersetzt werden. So nutzte ich die Gelegenheit und erkundete die Stadt auch mit dem Fahrrad, was sich als recht angenehm herausstellte. Vereinzelt gab es Fahrradwege, und wenn nicht konnte man auf den Straßen recht gut radeln. An jeder Ecke gab es Fahrradvermietstationen, welche auch sehr stark benutzt wurden. In der ganzen Stadt fuhren die rot-weiß lakierten Leihfahrräder herum. Vom Aussichtsberg ‘Tibidado’ hatte man eine tolle Sicht auf die ganzen Stadt. Hatte ich nicht ganz soviel mit der Architektur im Sinne, so war der Bau der Kathedrale aber schon beeindruckend. Gaudi’s Gebäude waren über die ganze Stadt verteilt, man konnte sich diesen kaum entziehen.
Was außerhalb der Szene vollkommen unbekannt war: Barcelona gilt als ‘die’ Hochburg der Skater. An ein paar ausgewählten Plätzen trafen sich die Könner und zeigten Ihre Kunststücke. Man könnte stundenlang zusehen wie sie durch Parkours fuhren, Sprünge absolvierten oder ihre Tänze auf den Inlinern aufführten.
Aber nach ein paar Tagen war ich wieder startklar und mußte weiter. Die ersten Kilometer ging es noch gemütlich am Meer entlang nach Norden. Ein Badestrand nach dem anderen und überall in der Sonne bruzelnde Menschenmassen. Die Urlaubszeit im Land fing an und die Spanier zog es an ihre Küstenorte. Für mich hieß das: ab in die Berge und nichts wie weg hier.
Die ersten Anstiege durch die Pyrenäen waren sportlich, landschaftlich sehr schön und die Menschen in den kleinen Dörfern auffallend freundlich! Die Tour der “Col’s” fing an. Paß rauf, Paß runter. Wählte ich meistens die reizvollere Strecke direkt über die Berge.
Immer wieder hörte ich Sätze wie: “Katalonien ist NICHT Spanien!”. Manche sprachen sogar lieber Englisch anstatt Spanisch! Die Abneigung war spürbar, die damalige Franco Diktatur hinterließ deutliche Spuren. Zu gerne wären die wirtschaftlich starken Katalanen unabhängig und würden sich von Spanien abspalten. Gerade jetzt, wo es im ganzen Land krieselt.
Durch die Pyrenäen wollte ich noch einen Abstecher nach Andorra machen. So verließ ich Spanien und radelte in einem Tag durch den winzigen Staat. Im Nachhinein eine Fehlentscheidung, aber ich habe es gesehen. Die einzige Straße durch das ‘Land’ führte auf den 2400m Pass ‘Port d’Envalira’. Reihten sich im unteren Bereich ein ‘Schickmicki’ Geschäft nach dem anderen, kamen im oberen Teil die im Sommer verlassenen riesigen Hotelanlagen. Ein absolut häßlicher Anblick. Viele der heruntergekommenen oder halb verfallenen ‘Bunker’ waren vermutlich auch dauerhaft geschlossen. Ein Skigebiet dieser Größe war im Sommer aber immer grausam anzusehen.
Auf dem Paß glücklich angekommen wurde das Wetter schlechter, aber ich war oben. Kalt und regnerisch, von jetzt an ging es wenigstens bergab! In Frankreich! ‘Viva la France’!

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