Schon Europa?

Der Landeanflug auf St. Martin war spektakulär. Direkt nach dem Badestrand kam die Landebahn und die Boing zog über die Köpfe der Badegäste hinweg. Auf den Inseln war es ein beliebtes Spiel sich beim Start eines Fliegers an den Absperrzaun zu hängen und sich von den Triebwerken anstrahlen zu lassen. Festgekrallt hingen sie dann fast waagerecht am Gitter.
Die Insel St. Martin war zweigeteilt. Der Süden, in welchem sich auch der Flughafen befand stand unter holländischer Verwaltung. Man bezahlte vorwiegend in US Dollars. Der nördliche Teil dagegen war französisch, als Zahlungsmittel galt der Euro. Allgemein gab es noch die alten Währung der Insel, dem Gulden.
Am Flughafen baute ich mein Fahrrad zusammen und fuhr vollbepackt über die Insel. Die nicht ganz unberechtigte Frage, was ich denn mit einem so schweren Rad hier auf der Insel zu suchen hatte kam öfters. St. Martin war nicht sonderlich groß und man könnte sie in einem Tag komplett umrunden. So war die Frage nicht ganz unberechtigt, :-). Die Insel war vollgestopft mit Edelhotels in welchen sich vorwiegend amerikanische Urlauber tummelten. In Marigot, dem französischen Teil angekommen, fühlte ich mich schon wesentlich wohler. Viele Schwarze in bunten Klamotten, weniger Touristen und mehr Leben auf der Straße. Hier traf die französische Kultur auf die rhythmischen Klänge der Kreolen. Die meisten Lebensmittel im Supermarkt kamen entweder aus den USA oder eben Europa. Von einem Euroschein, welchen ich vor über zwei Jahren noch aus Deutschland dabei hatte, kaufte ich französische Backwaren. Welch ein Genuß! Ein Stück Europa, mitten in der Karibik!
In der Fort Louis Marina fand ich schnell die ‘Kreole’, welche mich über den Atlantik bringen sollte. Zwei Tage blieben noch um die Überfahrt zu organisieren. Die Mannschaft war jetzt komplett und die letzten Vorbereitungen auf dem Schiff standen an. Wir bunkerten über 1000 Liter Wasser, 25 Flaschen Wein und 200 Dosen Bier. Unser Proviant war für vier Wochen und ungefähr 2600 nautischen Meilen ausgelegt. Das Fahrrad wurde wieder zerlegt und lag eingezwängt zwischen den Ersatzsegeln und Bezinkanistern in der Skipperkabine im Vorschiff. Für die nächsten Wochen sollten wir kein Land sehen und geschweige denn festen Boden betreten. Alles war bereit und unser Skipper gab sein erstes Kommando: Leinen los!

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